Wenn Zusammenarbeit funktioniert – und warum sie es so oft nicht tut
»Teamwork FRESH« – das klingt erstmal gut. Was genau steckt dahinter und warum ausgerechnet das?
Mit meinem Motto „Ich mache Teamwork FRESH!“ möchte ich vermitteln, wie wichtig mir Humor und Leichtigkeit bei der Zusammenarbeit sind. Ich bin kein klassischer Berater im Anzug, sondern moderiere den Workshop im Hoodie und mit Cap. Und diese Botschaft baue ich überall in meine Kommunikation ein.
Du kommst ursprünglich aus dem Design. Hilft dir das, Teams klarer zu sehen? Oder nur anders?
Ich biete selbst keine Design-Dienstleistungen mehr an. Das Wissen aus diesem Bereich ist jedoch eine wichtige Grundlage für alles, was ich mache. In meinen Projekten achte ich auf eine klare und transparente Kommunikation sowie darauf, dass die Ergebnisse von Anfang an unter Einbezug der relevanten Perspektiven entstehen.
Viele Gruppen nennen sich »Team«. Die wenigsten sind eines. Woran erkennt man den Unterschied sofort?
Ein Team ist eine Gruppe von Personen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Dafür bringen sie ihre verschiedenen Fähigkeiten und Kompetenzen ein und gestalten die Zusammenarbeit bewusst durch gemeinsame Werte, Rollen und Routinen.


Hand aufs Herz: Kommen Teams, bevor es knallt, oder immer erst danach?
Ich habe bereits beide Situationen erlebt. Allerdings bin ich in der glücklichen Lage, dass viele meiner Auftraggeber:innen sehr vorausschauend denken und handeln. Sie wenden sich frühzeitig an mich, wenn sie bemerken, dass die internen Prozesse, Strukturen und Rollen nicht mehr passen. Selbstverständlich werden in meinen Projekten, insbesondere bei längeren Entwicklungsprozessen, auch Spannungen gemeinsam bearbeitet.
Woran merkst du, dass deine Arbeit wirklich etwas verändert hat und nicht nur ein guter Workshop war?
Ein guter Workshop und eine langfristige Veränderung sind zwei verschiedene Dinge. Ein guter Workshop ist ein Anfang und endet im Idealfall mit inspirierten Teilnehmenden sowie klaren nächsten Schritten. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass anschließend eine Veränderung in der Organisation stattfindet. Deshalb begleite ich die Teams am liebsten über mehrere Monate und biete zwischen den Workshops auch Coaching-Termine an. Echte Veränderung braucht Raum und Zeit, beispielsweise in Form von Experimenten, neuen Routinen und regelmäßiger Reflexion. Viele Organisationen erwarten zu viel in zu kurzer Zeit.
Das klingt nach einem langen Prozess. Aber woran lässt sich echte Veränderung am Ende erkennen? Was machen Teams dann anders als vorher?
Durch die Zusammenarbeit lernen die Teams sich und ihre Arbeitsweise besser kennen. Vieles, das zuvor unklar war oder sogar unbekannt, ist nun ausformuliert und bildet eine professionelle Grundlage für die Zusammenarbeit. Dazu zählen beispielsweise Werte und Rollen, die Nutzung von Tools und Kommunikationskanälen, die Dokumentation von Wissen, Feedback und Retrospektiven. Die Teams verstehen außerdem, dass ihre Zusammenarbeit nicht statisch ist. Nur weil etwas einmal festgelegt wurde, bedeutet das nicht, dass es für immer so bleiben muss. Teamentwicklung ist eine langfristige Aufgabe, die auch das regelmäßige Prüfen und Anpassen von Routinen, Meetings und Regeln beinhaltet. Idealerweise passiert das irgendwann ohne mich, wenn das Team genügend Erfahrung gesammelt hat und seine Entwicklung selbstständig gestalten kann.
Der Klassiker: Was machen Teams immer wieder falsch? Und zwar in der Kommunikation. Egal wie modern die Tools sind.
Ich bin wirklich überrascht, wie unprofessionell viele Teams ihre Meetings immer noch gestalten. Es gibt kein klares Ziel, keine Agenda, vorab werden keine Themen gesammelt und es gibt keine klaren Rollen. Das führt zu frustrierenden Meetings, die viel Zeit kosten, aber zu keinen Ergebnissen führen. Auch die Feedback-Kultur ist ausbaufähig. Oft wird ein Feedbackgespräch mit einem Kritikgespräch verwechselt. Generell wird das Potenzial von regelmäßigem Feedback stark unterschätzt. Feedbackgespräche sind ein sehr wichtiger Bestandteil für die Weiterentwicklung von Teams.
Wenn ein Team merkt: »Hier stimmt etwas nicht«, aber niemand kann das Problem greifen, wo würdest du anfangen?
Ich erlebe es nur selten, dass es im Team keine Hypothesen gibt. Meistens gibt es einfach unterschiedliche Perspektiven. Die Beteiligten betrachten die gleiche Situation aus verschiedenen Blickwinkeln. Ich bringe dann alle Beteiligten an einen Tisch, um diese unterschiedlichen Perspektiven zu einer systemischen Betrachtung zusammenzuführen, mit der alle einverstanden sind. Erst dann wird ein Team handlungsfähig und kann beginnen, die Herausforderung zu bearbeiten.
Neugierig geworden?
Wenn euch beim Lesen mehr als einmal der Gedanke kam: »Das kommt mir bekannt vor«, dann findet ihr auf seiner Website mehr zu Steffen, seiner Arbeit und seinen aktuellen Projekten.
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Facilitator, Teamcoach und Organisationsberater in Berlin
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